D. Weixler
R. Jox

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen!

Zum 2. Fachtag Ethik am 17. März 2017 möchte wir Sie herzlich ins Haus der Ingenieure, in Wien einladen!
Zum aktuellen Tagesthema mit dem Titel „Medizinethik aktuell: wer schützt meine Rechte, wer bedrängt meine Rechte?“ sind wieder namhafte Referentinnen und Referenten aus dem gesamten deutschen Sprachraum eingeladen.
Ethisches Reflektieren und Handeln betrifft alle, die für andere Menschen Sorge tragen und Verantwortung übernehmen, sei es im beruflichen oder auch privaten Umfeld. Wir laden daher ganz herzlich alle ein, die an den folgenden Themen interessiert sind:

1. Ernährung

Ernährung umfasst viele Dimensionen:  kulturelle, soziale, spirituelle, physische, psychische, rechtliche. Ernährung ist physiologisch notwendig, um am Leben zu bleiben, sie ist aber auch individueller Genuss, sozialer Akt, Ausdruck unserer Kultur. Ethisch wird es besonders schwierig, wenn es um die (künstliche) Ernährung anderer geht: hier reicht der Spannungsbogen von dem Respekt vor Nahrungsverweigerung über die Fürsorgeangebote bis zur rechtsstaatlich verordneten Zwangsernährung. Beim Fachtag Ethik wollen wir uns besonders drei Themen widmen: künstliche Ernährung und Hydrierung im Kontext wissenschaftlicher Evidenz, Ernährung bei Demenzkranken und die Rechtfertigbarkeit von Zwangsernährung.

2. Übertherapie
Das Schlagwort Übertherapie meint knapp vereinfacht medizinische Maßnahmen, die keine für den Patienten sinnvollen und nützlichen Behandlungsziele erreichen. Sie werden mitunter aus anderen, nicht patientenzentrierten Gründen durchgeführt und können neben ökonomischen Konsequenzen auch erhöhte Risiken und Schäden für die Betroffenen bergen. In der Öffentlichkeit wird zuletzt viel darüber diskutiert, sei es im Kontext einer Indikationsausweitung operativer Eingriffe, im Kontext neuer Arzneimitteln mit einem fraglichen Zusatznutzen oder anderer Kontexte. Die möglichen Ursachen und Motive sind vielfältig (Ökonomisierung, hierarchische Zwänge, Ängste, institutionelle Automatismen, symbolhaftes Handeln, Traditionen, Aktionismus). Kaum ein anderes Thema wird in der Medizin so tabuisiert und ist ökonomisch gewichtiger. Die Sitzung soll etwas Licht in dieses Dunkel werfen, indem neben einer Bestandsaufnahme der Realität auch die Ursachen und mögliche Gegenstrategien in den Blick genommen werden.

3. Kinderrechte
Kinder werden in unserer alternden, auf Leistung getrimmten Gesellschaft schnell an den Rand gedrängt und ignoriert. Umso wichtiger erscheint uns, das Thema der Rechte von Kindern im Rahmen der Gesundheitsversorgung zu erörtern. Neben dem aktuellen Zustand der Kinderrechte in Österreich sollen die ethischen Konfliktlinien bei Therapieentscheidungen im Kindesalter aufgezeigt werden. Abschließend wollen wir das kontroverse Thema der Impfung angehen, an dem sich wie kaum anderswo die scheinbare Unvereinbarkeit der Wertwelten elterlicher und ärztlicher Gewalt manifestiert.

Im Anschluss an die Referate wollen wir beim 2. Fachtag Ethik der lebhaften Diskussion noch mehr Raum würdigen und sind schon jetzt sehr gespannt auf Ihre Erfahrungen, Argumente und Perspektiven.

Auf ein Wiedersehen freuen sich,

OA Dr. Dietmar Weixler, MSc
Vorsitzender der AG Ethik der österreichischen Palliativgesellschaft

Prof. Dr. Dr. Ralf J. Jox
Medizinische Fakultät Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin
Ludwig-Maximilians-Universität München

Wissenschaftliche Leitung